Notre Mur

Aus Stefanie Oberhoff
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Internationale Begegnung am Espace Masolo, Kinshasa

Mit Gästen aus Deutschland, Indien und Pakistan


An sechs Tagen in der Woche von 9 bis 17 Uhr probten die 17 Kinder und Jugendlichen, darunter drei Mädchen. Der kongolesische Kollege Nious Lulemba hatte in den vergangenen Monaten ein Repertoire von ca. 10 Stücken angelegt, basierend auf traditionellen oder religiösen Melodien des Landes, in einfachen, aber wirkungsvollen Arrangements, die dem technischen Niveau der Kinder und Jugendlichen entsprachen.

Die Workshop-Arbeit konzentrierte sich vor allem auf folgende Punkte: - Arbeit am bereits bestehenden Repertoire (Präzision, Verfestigung, Präsentation) - Einstudieren neuer Stücke - Technische Korrekturen und Anregungen bei den einzelnen Spielern - Basisunterricht und Integration neu hinzugekommener Spieler - Unterricht in Notenlesen - „Hüten“ und Pflege der Instrumente

Die Situation am ‚Espace Masolo’ erfordert eine sehr gruppenorientierte und offene Arbeitsweise. Die Kinder kommen morgens aus den Zentren für Straßenkinder, in denen sie übernachten und verbringen den Tag im ‚Espace Masolo’. Registerproben z.B. erfordern viel Geduld und Disziplin von allen, denn es gibt auch nur den einen Hof, auf dem geprobt wird. Durch die Anwesenheit mehrerer Leiter während des Workshops war es aber möglich, den neuen Kindern Grundlagen im Einzelunterricht zu vermitteln oder parallel in Gruppen zu arbeiten. Unter diesen Bedingungen ist es sehr eindrucksvoll, mit welcher Energie und Ausdauer die Kinder an ihren Instrumenten arbeiten. Sie spielen bisher nicht nach Noten, ein Thema, das in Begegnungen von europäischen und kongolesischen Musikern immer wieder Diskussionsgegenstand ist. Das Einstudieren ist langwieriger, Stimmen können nicht über Nachlesen erinnert werden. Viele Stücke sind allerdings auch gar nicht notiert. Winfried Walgenbach hat während des Workshops begonnen, die Arrangements zu dokumentieren und Unterricht in Noten lesen und schreiben initiiert, der durch den kongolesischen Kollegen fortgeführt werden soll.

Das Repertoire wurde während des Workshops um weitere vier Stücke ergänzt, auch durch Arrangements, die Winfried Walgenbach mitgebracht hatte. Z.B. wurde ein Arrangement der Titelmusik der TV-Serie „Derrick“ einstudiert („Derrick“ ist auch in der Demokratischen Republik Kongo eine beliebte TV-Serie). Tempo- und Rhythmuswechsel sowie eine eher europäisch geprägte harmonische Begleitung stellten für die Spielerinnen und Spieler eine schöne Herausforderung dar. Frühzeitig wurde auch das Spielen in der Auftrittsaufstellung geprobt, z.T. verbunden mit choreographischen Elementen.

Neben der musikalischen Weiterentwicklung soll ein Aspekt besonders betont werden. Es war sehr beeindruckend, die persönliche Entwicklung der jungen Musikerinnen und Musiker zu sehen. Es handelt sich ja um Kinder und Jugendliche, die z.T. unvorstellbar schwierige und grausame Erfahrungen hinter sich haben, die Misstrauen als Überlebensstrategie gelernt haben und oft wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben. Wenn diese Kinder und Jugendlichen, die im vergangenen Jahr z.B. noch sehr verschlossen und ängstlich waren, heute mit großem persönlichen Ausdruck und einer sicheren Ausstrahlung spielen, ist das eine große Freude. Es war sehr schön, zu erleben, wie sehr die Fanfare inzwischen Bestandteil ihres Lebens ist, auch die Gruppe und sie als (lernende) Musiker ein Stück neue Identität finden.


Kostümatelier

Ein Gruppe junger Schneiderinnen, die vom Espace Masolo ausgebildet werden hat unter der Leitung des Schneidermeisters Papa Urbain, im Rahmen des Workshops Kostüme für die "Fanfare Masolo" entworfen und realisiert. Ein wichtiges Ziel war hier, den jungen Frauen, die sonst wenig in die künstlerischen Aktivitäten des Espace Masolo eingebunden sind, zu ermöglichen sich mit einem Projekt zu identifizieren und sich mit den anderen Künstlern auszutauschen.



Die Schneiderinnen haben die Kostüme im gemeinsamen Gespräch entworfen, Stoffe ausgewählt, Schnitte gemacht, die Teilnehmer der Fanfare vermessen und sämtliche Kostüme genäht. Die Integration der jungen Schneiderinnen, die sonst immer still und anonym in einer Ecke gearbeitet haben, hat sehr gut funktioniert.


Stelzenläufer

Ein Gruppe Jugendlicher hat unter der Leitung des Schauspielers und Akrobaten Reagan Matuke Stelzen gebaut. Es wurden technische Zeichnungen gefertigt und gemeinsam der Materialbedarf errechnet. Dann wurden die Stelzen (4 Paar) gebaut und anschließend damit trainiert. Da das Stelzenlaufen keine ungefährliche Sportart ist, stehen hier beim Training Vertrauensbildung und Verantwortungsgefühl im Vordergrund. Die Stelzenläufer sind jetzt natürlich ein Eye-Catcher für Präsentationen der Blaskapelle. In einem nächsten Workshop sollen fantasievolle Kostüme und Masken für die Stelzenläufer entwickelt werden.



Maskenbau-Kibukis


Eine weitere Gruppe Jugendlicher hat übergroße Köpfe gefertigt und Choreografien zur Musik der Blaskapelle erarbeitet. Die Köpfe wurden aus alten Mehlsäcken und einem Klebemittel aus Mehl und Weißleim gefertigt und sind sehr haltbar.

Die Jugendliche haben versucht Persönlichkeiten aus dem öffentliche Leben zu kreieren. Unsere dicken Politiker sind jetzt schon im gesamten Stadtviertel bekannt und beliebt.



Siebdruck

In einer kleinen Siebdruckwerkstatt wurden T-Shirts, Schirme, Fahnen etc. mit den Logos des Espace Masolo und des Workshops "Mur na biso - notre mur" bedruckt. Die Siebdruck Werkstatt bleibt dem Espace Masolo erhalten und soll auch dazu dienen weitere Werbemittel, wie Plakate und Flyer zu erstellen.

Trompeten - Nathalie, Vida, Fabrice, Grace, Dieu Merci

Baritonhörner - Claude, Giresse, Jeancy, Regain

Posaune - Gloire

Tenorsaxophon - Mandu

Altsaxophon - Cecile, Enok

Perkussion - Dieu, Darline, Jonathan, Carlito